TANTE WURST Eine wahre Vorweihnachtsgeschichte Frederik war vier Jahre alt. Seinen Namen verriet die neben ihm sitzende Dame mit beinahe jedem Satz, den sie an ihn richtete: “Schau mal, Frederik, der Hund.” Frederik suchte und fand ihn auch bald auf der Straße gegenüber. “Frederik, schau mal, ein Kran.” Frederik schaute hinauf und antwortete: “Ein Hubschrauber!” “Oh ja, ein Huuuubschrauber. Stimmt, Frederik.” Gedanklich rechnete ich mir aus, wie oft der Busfahrer den Namen Frederik wohl schon gehört hatte, wenn die beiden an der ersten Haltestelle eingestiegen wären. Und ich bemerkte eine plötzliche Stille. Frederik drehte sich mit glänzenden Augen zu seinem Namenserinnerungsautomaten und sagte aus tiefstem Innern heraus: “Ist der Schnee nicht schön…”. Fast wäre den Fahrgästen in aller Andachtsstimmung mit diesem Satz anmutig warm ums Herz geworden, hätte Frederik den Satz nicht mit den Worten beendet: “Ist der Schnee nicht schön, Tante Wurst?” Das Grunzen des mir gegenübersitzenden Mädchens entstammte dem gleichen Freudenorchester, das auch bei mir aufspielte bei diesem neuen Namen. Und wie er es von seiner Tante gelernt hatte, setzte auch er in jeden Satz einen Erinnerungsmarker: “Fahren wir heute Schlitten, Tante Wurst?” “Heute liegt noch zu wenig Schnee, Frederik” sagte sie, aus irgendeinem Grund etwas verschämt ihr Umfeld absuchend. Ab jetzt war die Ruhe eher Grund einer allgemeinen Spannung aller, wann Frederik wieder etwas von sich gibt. Natürlich hoffnungsvoll auf den Namen der Tante wartend. “Tante Wuhurst?” kam es prompt. “Hm, Frederik?” “Ist der Nikolaus auch aus Schnee?” “Nein, Frederik, der Nikolaus ist aus Schokolade und der Schneemann ist aus Schnee.” “Und warum schmilzt der Nikolaus dann?” “Weil Schokolade schmilzt, wenn sie warm wird.” Eine typische Erwachsenenenantwort, die ebenso wenig zufrieden stimmt, wie Sätze ohne Frederik und ohne Tante Wurst.
FLORIAN FLOO WEBER “Wer mich hören will, muss fühlen.”
Winter 2018
Etwas später schwang ich mich auf mein Postfahrrad, begann, wie üblich, pfeifend meine Arbeit und bekam lustiger Weise von einer älteren Dame einen kleinen Schokoladennikolaus geschenkt. Kurz vor Feierabend bringe ich einen kleinen Stapel der letzten Briefe in eine Metzgerei. Und erst da fiel mir auf, dass die Dame von diesem Morgen dort als Verkäuferin arbeitet. Ich stellte mich in die Reihe, wartete bis ich an der Reihe war und sagte etwas lauter, als es gewöhnliche Kunden tun würden: “Tante Wuhurst? Ich habe heute Post für Frederik.” Und mit den Briefen übergab ich ihr den kleinen Schokoladennikolaus, den ich geschenkt bekommen habe. Sie lachte herzlich, schnitt eine dickere Scheibe Gelbwurst herunter, gab sie mir und ich ging. Überaus glücklich. Denn ich fühlte mich ein bißchen wie Frederik. Danke, Tante Wurst!
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