★ LebensKünstler ★

Hornochsen

Ach, mein Gott. Wäre der Heilige Geist doch einfach nur geblieben, wo er war.

Ja, wirklich. Wussten Sie, dass wir am Pfingstsonntag (nicht wirklich) der Story gedenken, wie Gott den Heiligen Geist weltweit verteilt hat, als ob er für ihn wie der Plastikmüll für uns ist, von dem wir fast täglich einen Sack zur Tonne tragen? Und in dieser Apostelgeschichte 2 (nein, ich weiß sowas nicht auswendig, aber Google, Gottes Frau) hat er obendrein auch noch seine komplette Bibliothek der Phonetik in Form von zigtausend Sprachen vom Himmel heruntergeschmissen.

Der allmächtige Papa muss ein wenig zu tief ins Bierglas geschaut haben, als er am Pfingstsonntagmorgen plötzlich alle Gläubigen mit seinem Heiligen Geist beschenkt hat. Ein bisschen sehr übermütig möchte ich sagen. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hat der Papa eigentlich nur „besonders Auserwählte“ damit ausgezeichnet. Das hätte in meinen Augen auch völlig gereicht.

Aber ab jetzt durfte urplötzlich jeder mit dem Heiligen Geist Hand in Hand herumrennen und dadurch hemmungslos all das in Worte fassen, was er zu glauben glaubt. Herrje. Ein gefährliches Unterfangen, wie wir seither zu spüren bekommen.

Und um den Menschen das zu ermöglichen, äußern zu können, was sie ganz persönlich glauben, gibt er ihnen gleich auch noch frei Haus sämtliche Sprachen zur Verständigung obendrein. Das in gutem Glauben zu machen, ist schon irgendwie sehr leichtgläubig, oder nicht? Das kann der nicht bei vollem Bewusstsein gemacht haben. Aber damals war ja Cannabis auch noch allein nur seine Erfindung und er durfte es unabhängig von Gesetzeslagen verwenden, wie er wollte. Wer weiß …

Dabei hätte er es wirklich besser wissen müssen. Gibt es doch einige Geschichten, aus denen er die Erfahrung gemacht haben sollte, wie die Menschen mit seinem bedingungslosen Vertrauen umgeht.

Als Moses in der brennend heißen Wüste zum Beispiel bei ihm nach Wasser gebettelt hat, weil sein Volk (ähm, Israel …) megamäßig durstig war, und der Papa gutmütig zu ihm gesagt hat: „Okay. Ich helf dir. Schlag in den Felsen und es kommt Wasser raus. Aber du schlägst nur einmal, hast du verstanden?!“ Ja und was macht der Hornochse, also Moses? Er schlägt natürlich zweimal. Wenn schon, denn schon; typisch Mensch.

Dann die Sache mit Judas, die älter ist, als der ausgehärtete Kaugummi unter der Schulbank. Ich glaube ja, Herr Gott wollte den Freund seines Sohnes einfach nur testen. Dass Judas, der Hornochse, Jesus tatsächlich verrät, das hätte dessen Papa nie geglaubt. Ja, er lernt aber auch nicht dazu. Oder hat er einfach keinen Bock?

Da lässt er kurz darauf Petrus fragen, ob der zufällig Jesus kennt. Und was sagt der Fischer, der seine Hände in Unschuld wäscht und kurz davor vom Jesus noch die Schlüssel fürs ganze Himmelreich bekommen hat? Sagt der eiskalt: „Nö!“ Gleich dreimal hintereinander. Weißte, hängen ein paar Wochen vorher noch gemeinsam ab, zwitschern ’ne Runde und plötzlich weiß Petrus von nix. Auch so ein Hornochse! Was ist denn in dem abgegangen? Dass die römisch-katholische Kirche heute alle Päpste als seine Nachfolger sehen, gibt mir enorm zu denken.

Gibt noch zahlreiche solcher Geschichten in der Bibel.

Wenn sie wenigstens nur in der Bibel stehen würden. Könnte ich zuklappen oder jemandem schenken, der auf derartige Stories steht. Blöd nur, dass wir aktuell von Hornochsen umgeben sind, deren Machenschaften wir leider nicht einfach zuklappen oder herschenken können, wie ein Buch.

Hätte der liebe Gott, als er noch voll motiviert und aktiv war, einfach ein bisschen besser hingeschaut, wem er sein Vertrauen schenkt. Warum um alles in der Welt hat er denn ausnahmslos jeden zum Auserwählten gemacht. Das bringt uns heute echt in eine ziemliche Bredouille, wenn ein jeder glaubt, er wüsste, kann und vor allen Dingen darf alles.

Allerdings fällt mir auf, dass ich ein wenig selbst Schuld bin. Ich mach’s nicht anders, als der Papa; also jener. Wenn ich so mein Leben Revue passieren lasse, bin ich selbst viel zu oft im Glauben, andere wissen, können und dürfen alles.

„Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen.“ Steht auch in der Bibel.

Und deshalb glauben wir auch heute noch den Hornochsen am meisten?

Na danke!