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Das Osterdebakel

Die Hähne der Hühner-Gewerkschaft sind erleichtert.

Seit der Kündigung des Osterhasen bei der Gesellschaft für Traditionsfestivitäten und Verpflichtungsfeiern (TuV GmbH) geht er den Hühnern endlich nicht mehr auf die Eier.

„Wir konnten die bestellte Menge schon seit einigen Jahren kaum mehr liefern und mussten, wenn auch erfolgreich, zusätzlich auf Schokoladenprodukte umsteigen“, beklagt der Gewerkschaftsvorsitzende Hahn N. Kampf. Allerdings zieht Karl Altmann, Leiter der TuV, daraus die Konsequenz, die Osterabteilung schließen zu müssen. Da er für die nächsten Jahre auch keine Möglichkeit einer alternativen Anstellung seiner Mitarbeiterinnen sieht, steht den rund 870.000 Hühnern eine Zwangsentlassung bevor.

„Wenn er uns aufs Korn nehmen will, hat er sich geschnitten“, so Kampfs Ansage. Zwar begrüße er die Erleichterung angestellter Hühner durch den Wegfall des Löffelmannes, der so penetrant ununterbrochen Eier bestellt hat. Jener habe nachweislich unter salienter Verstecksucht gelitten und weitaus mehr verteilt, als nötig gewesen wären. Huhn nun aber mit einer Entlassung zu drohen, weil ihre Eier plötzlich nicht mehr gebracht werden könnten, sei nicht gerechtfertigt; schließlich könne man die Fähigkeiten eines Huhns nicht nur auf Eierlegen reduzieren.

Hahn N. Kampf schlägt die Möglichkeit einer Ostereierei im Home-Office vor. Die Hühner könnten via Gockel-Maps an unterschiedlichen Orten weltweit virtuelle Eier legen. Mit einem Smartphone und einer extra für dieses Abenteuer angefertigten App („i-Nestwerk“) kann jeder auf Suche gehen und versteckte Eier-Nester sammeln. Er vermutet im globalen Ausbau seiner Idee eine zukunftsweisende Fortentwicklung, die ganz im Trend der Zeit liegt. Er stünde bereits in Verhandlung mit Justin Henrik Quentin.

Karl Altmann hält davon nichts, aber an seiner Tradition fest: „Kinder haben Eier zu suchen oder gar nichts.“ Bereits die Schokoladenvariante war ihm schon ein Dorn im Auge. Irgendwann müssen man ein Ei drüber hauen. Das wäre nun eingetreten. Wie es weitergeht, darüber könne er zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen.

Der Osterhase dagegen sieht es locker. Nach 342 Jahren im Beruf (und die letzten Jahre haben ihm einige Nerven gekostet), dürfe auch er sich jetzt endlich in seinen wohlverdienten Ruhestand zurückziehen. Und das tut er. „Die Menschen finden mittlerweile weitaus größere Eier, die sie sich gegenseitig gelegt haben, als je ein Huhn zu produzieren oder ein Hase zu verstecken imstande wären“, sagt er.
Um ihn jedenfalls müsse man sich keine Sorgen machen. Das Leben funktioniere sehr gut auch ohne Mensch, für den er sich die Jahre über tierisch ins Zeug gelegt hat. „Es ist sogar um Welten leichter“, fügt er flüsternd wie eine Randnotiz hinzu und genießt die Entspannung. Irgendwo, wo ihn keiner vermutet.