★ LebensKünstler ★

Wohlstandsdegradanten

In Deutschland ist man schnell im Gespräch. Das liegt daran, dass es im Grunde nur zwei Themen gibt. Das eine, dass der Staat völlig sinnlos viel zu viel Geld ausgibt, und das andere, dass der arme Bürger nichts verdient. Und die Bürgerinnen noch viel weniger.

Eine solche Bürgerin stand in einem Kleidungsgeschäft an der Kasse, und brachte mich zum Recherchieren. Sie beklagte, dass wir alle nicht wüssten, wovon wir leben sollen, aber der Staat gibt das ganze Geld (Zitat) „für Kriegsspielzeug aus. Und 30 Milliarden schieben wir jedes Jahr dem Papst rüber.“

Abgesehen davon, dass ich froh wäre, wenn Deutschland sein Geld nur für Kriegs-Spielzeug locker gemacht hätte1, bin ich auch nach langer Recherche lediglich „nur“ auf 10 Milliarden Euro2 gekommen, mit denen Deutschland den alten Papa in seiner bescheidenen Hütte unterstützt. Seine Empanadas und die Dulce de Leche dürfte der sich damit aber Gott sei Dank gerade noch leisten können.

Die zu Bedauernde an der Kasse machte klar, dass sie jedenfalls was Besseres damit anzustellen wüsste. Auf meine Nachfrage, was denn, hatte sie allerdings gerade keine Antwort parat. So spontan jedenfalls nicht. Na gut. Dank der tollen Gutscheinaktion im Laden bewertete sie die gezahlten 150 Euro als Schnäppchen, und verriet mir freundlicherweise ihr Geheimnis: „Ich nutz‘ sowas ja immer gleich aus“. Ah ja.

Da wollte ich doch mal wissen, wie sehr der arme Deutsche im vergangenen Jahr davon so allgemein Gebrauch macht. Knapp 80 Mrd. Euro hat er für Bekleidung ausgegeben3. Davon ausgehend, dass sich das eher auf die über 18-Jährigen bezieht, die etwa 80 Prozent unserer Gesellschaft ausmachen, wären das auf so 64 Mio. Menschen4 verteilt 1.250,- pro Kopf.

Der Deutsche schiebt also monatlich quasi einen grünen Schein über die Ladentheke, um etwas zum Anziehen zu haben. Ich finde heraus, dass er rund vier der grünen Bilddrucke mit dem Tor im Barockstil5 gegen Lebensmittel eintauscht. Durchschnittlich 1.000 Euro Miete, 120 für Gesundheit & Pflege, mit 350 leistet er sich Mobilität, 250 steckt er in die Kultur und 120 in die Möglichkeiten der Kommunikation.6

Zusammen macht das rund 2.300 Euro. Trotzdem, dass nicht alle explizit auf Reise gehen, haben aus Deutschland ihr Gepäck an andere Orte schleppende Urlauber im vergangenen Jahr dennoch fast 87 Milliarden Euro ausgegeben7. Und bei 175 Millionen gerauchten Zigaretten täglich8, mangelt es dem kleinen Wohlstandsdegradanten scheinbar auch daran nicht. Es scheint also doch nicht ganz so schlimm um ihn zu stehen, wenn er sagt, nichts zu verdienen.

Am Ende muss er doch froh sein, mit dem Staat nicht tauschen zu müssen. Im Gegensatz zu ihm sind (die meisten von uns) schuldenfrei. Während er mindestens die nächsten 208 Jahre noch in der Kreide9 steht. Sofern ab sofort keine Schulden mehr aufgenommen und monatlich 1 Milliarde Euro der bisherigen getilgt werden.

Also DAS dürfte jedem von uns mit absoluter Sicherheit ausbleiben.

Machen wir uns also keine Gedanken ums Geld.

Quellen:

  1. Verteidigungsausgaben ↩︎
  2. Geld an den Vatikan ↩︎
  3. Ausgaben für Bekleidung ↩︎
  4. Bevölkerung ↩︎
  5. 100-Euroschein ↩︎
  6. Lebenshaltungskosten ↩︎
  7. Reisen ↩︎
  8. Zigarettenkonsum ↩︎
  9. Staatsverschuldung ↩︎