Junge liegt mit Ukulele auf OP-Tisch

Achillessehnenriss

2026 sollte mein großes Comeback werden. Stattdessen gab es auf einer Weihnachtsfeier einen Hammerschlag für mich, bei dem ich dachte, mir hätte jemand mit einer Eisenstange zwischen Wade und Ferse eingedroschen.

Diagnose: Achillessehne gerissen. Ob Zeus und Apollo persönlich was gegen mich haben, weiß ich nicht, aber ihr Timing ist echt besch**.

Während ich im Bundeswehrkrankenhaus unters Messer kam, dachte ich über meinen Leidensgenossen Achilles nach. Hat ihn seine Mama doch extra in den Styx getaucht, um ihn unverwundbar zu machen. Und wo trifft ihn der angreifende Pfeil? An der ungeschützten Ferse, an der sie ihn festhielt.

Mein ‚Pfeil‘ war einfach nur ’ne Showeinlage, mein Gegner das Schicksal. Das zeigte sich erst nach der OP so richtig. Ein zehnminütiger Weg dauerte fast ’ne Stunde. Aber ich entdecke Muskeln, die seit den 90ern im Tiefschlaf lagen. Mein Fuß ist in permanentem, unfreiwilligem Ballett-Modus in 20-Grad-Stellung fixiert.

Ich hab jetzt olympische Diszipline entwickelt:
Eine Tasse Tee von A nach B zu befördern unter Einsatz von Krücken. Thrombosespritzesetzen während Badewannen-Akrobatik.

Mann! Wir tun immer so, als wäre die Funktionalität unseres Körpers ein Grundrecht. Ja, Achilles, ich habe es verstanden: Ich bin demütig durch meine eigene Verletzlichkeit. Aber das bin ich auch so schon. Den Riss hätte es wirklich nicht gebraucht. Auch die Zwangspause nicht.

Andererseits wie eine Schnecke spazieren zu dürfen, das erweitert alle Sinne.

Leave a Comment