Im Parkverbot statt in der Einbahnstraße

Sie geht mir auf den Sack: diese verordnete Toleranz gegenüber Kulturen, Sprach-Arroganzen und politisch gezüchteten Monstern, die Respekt fordern, aber keinen zollen.

Als Schauspieler bin ich professioneller Grenzgänger. Von der Grille über Mozart bis zum Verräter Judas – mir ist kein Gedankengang zu fremd, keine Eigenart zu abartig. Ich tauche leidenschaftlich in fremde Seelen ab; mich selbst kenne ich schließlich schon. Es ist mein Job, das „Andere“ nicht zu ertragen, sondern mit Hingabe zu verkörpern.

Doch ich verliere die Lust, diese Gesellschaft noch näher kennenzulernen, geschweige denn verkörpern zu wollen. Sie scheint nur noch aus Hobby-Diktatoren zu bestehen, die sich auf dem Schafott der eigenen Überzeugung treffen. Es geht nicht mehr um Verstehen – man soll konvertieren. Überall liegen Drohungen in der Luft. Ob vegane Hysterie oder geschlechtliche Selbstfindung: Wer nicht applaudiert, ist draußen.

Bis Ende der 80er war die Welt fein bewohnbar. Man hatte Ansichten, diskutierte und glich sie an – für ein friedliches Miteinander im Bewusstsein der eigenen Endlichkeit. Dann kam der „technische Kasten“, um den Zweibeiner von Menschlichkeit zu entlasten. Mit dem Smartphone übernahmen Algorithmen das Soziale – als asoziales Medium der Dauerbewertung, das Empathie gegen Likes tauscht.

Wenn Toleranz zur Einbahnstraße wird, stelle ich mich aus Überzeugung ins Parkverbot. Und abschleppen lass‘ ich mich nicht!

Leave a Comment