2026 wollte ich eigentlich mit voller Energie zurück auf die Bühne. Eine private Weihnachtsfeier sollte kurz davor mein persönlicher Neustart nach dem ganzen Corona-Geföhne werden. ZACK macht es am Abend dann: die Achillessehne ist gerissen. Ob Zeus und Apollo was gegen mich haben?
Während ich im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg operiert wurde, dachte ich an den berühmtesten Fersenpatienten der Geschichte: Achilles. Seine Mutter wollte ihn lebenslang sicher halten, tunkte ihn in den magischen Fluss Styx, um ihn unverwundbar zu machen – nur die Stelle, an der sie ihn festhielt, blieb verletzlich. An ihr traf den Krieger ein Pfeil, der ihn in den Tod stürzte.
Ich brachte meine Showdarbietung noch zu Ende, war umgeben von Göttern im Krankenhaus, die sich mir alle zu Füßen legten. Zu viel der Ehre, hätte ich mir gedacht. Aber in so einem Fall denkt man weniger. Besonders, wenn man zu Mitternacht davor narkotisiert wird.
Nach der OP begann mein Alltag auf Krücken. Ein zehnminütiger Weg dauert plötzlich vierzig, und ich entdecke Muskeln, die vermutlich seit den 90ern Winterschlaf halten. Mein Bein darf den Boden nicht berühren, der Fuß ist in 20‑Grad‑Stellung fixiert, und selbst eine Tasse Tee wird zur logistischen Meisterleistung.
Doch zwischen Badewannen‑Akrobatik, Thrombosespritzen und Spazier‑Krück‑Marathons fällt mir etwas auf: Wie viele Menschen täglich mit echten, dauerhaften Einschränkungen leben. Wie viel wir für selbstverständlich halten, solange es funktioniert.
Was meine Achillessehne mich lehrt
Die Geschichte von Achilles zeigt: Nicht die Stärke macht uns menschlich – sondern die eine Stelle, die uns daran erinnert, wie verletzlich wir sind.
Mein Achillessehnenriss ist schmerzhaft, ja. Aber er heilt. Und er erinnert mich daran, dankbar zu sein für alles, was mich trägt, stützt und bewegt – auch wenn ich es im Alltag kaum bemerke. Danke, liebe Götter!