Typ1-Entertainer – was’n das?

Ich bin Entertainer. Und Typ-1-Diabetiker.
Damit bin ich laut Gesetz auf Kreuzfahrtschiffen eine wandelnde Gefahr für die Sicherheit – zumindest, wenn ich dafür bezahlt werde. Als zahlender Gast darf ich mir am Buffet ungestraft den Blutzucker in den Orbit jagen. Als Künstler aber sagt Frau Dr. Amtsärztin: „Nö.“

Was ist passiert?

Als Entertainer sollte ich (vorerst) fünf Monate für „Mein Schiff“ arbeiten – ab Hongkong bis Triest. Mein Diabetologe bescheinigt mir Piloten-Tauglichkeit, aber die fucking Bürokratie hat Seekrankheit im Endstadium.

Urteil: Diensttauglich nur für europäische Gewässer. Klar, hinter Gibraltar wird das Insulin bekanntlich schlagartig wirkungslos und ich verwandle mich in eine tickende Zeitbombe, die jeden Kahn eigenhändig versenkt. Mein Arbeitgeber will mich entweder ganz oder gar nicht und entzieht mir das Angebot. Ars**lo*h!

Ey, ich hab‘ drei Shows entwickelt, Impfungen gegen „Tibudingdong“ kassiert und Piraten-Abwehrschulungen absolviert. Während ich als Zugbegleiter die Sicherheit ganzer Waggons verantwortete, bin ich auf dem Ozean plötzlich „behindert“.

Die Krönung?

Auf der Konkurrenz-Reederei arbeitet ein Typ-1-Diabetiker an der Rezeption. Die Branche ist sich also einig: Wir wissen auch nicht, was wir tun.

Statt finanzieller Sicherheit gab’s ein Fiasko und das Gefühl, aussortiert zu sein. Okay, dann kriegt unser System jetzt die Quittung – ich mache den „Kack-Fakt“ meiner Behinderung zum Markenzeichen. Mein 30. Bühnenjubiläum findet nicht auf dem Wasser statt, sondern mit Landgang. Vorhang auf für den Typ1-Entertainer.

Leave a Comment