★ doppelt o, doppelt kreativ ★

Möwenmanöver

Zu meinem Cartoon in diesem Monat führte die Tatsache, dass ich eines Nachts erschrocken aufwachte, als ich die Geräusche von Düsenjets wahrzunehmen glaubte. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, kreischten nur die Möwen umher.

So ging das einige Nächte. Bis ich dann doch in den Nachrichten forschte. Für gewöhnlich fahre ich zur Erhaltung meines Optimismus gut mit meinem Grundsatz: Nachrichten der Medien meiden. Sie führen meist zu Angst und Ärger. Prompt ärgerte ich mich über die Information, dass die nächtlichen Störungen auf die Übung eines Flugmanövers der Luftwaffe zurückzuführen seien.

Diese Information erinnerte mich an eine Ausstellung, die ich gerade vor zwei Wochen besucht hatte. Durch sie konnte ich unter anderem die Art und Weise erfahren, wie (seinerzeit) das Kino und Fernsehen aktuelle Geschehnisse kommuniziert haben. In einem kurzen Ausschnitt sah ich Nachrichten aus den 50er Jahren. Aktuelles wurde damals noch über einen längeren Zeitraum rückblickend zusammengefasst. In dieser Zusammenfassung sah man unter anderem nach einer Filmaufnahme des Atombombenabwurfs über Hiroshima, plötzlich eine hübsche, sehr stilvolle Frau zu sehen; einen Sommerhut tragend. Das Bild war unterlegt mit einer weiblichen Stimme, die so etwas Ähnliches spricht, wie: „Nachdem die Männer wieder mit einem ihrer sinnlosen Spiele fertig sind, können wir uns wieder den schönen Dingen zuwenden.“

Ich gestehe, dass mir aktuell im Zusammenhang der „sinnlosen Spiele“ oft das Kotzen kommt. 2002 hatte ich in meinem Monolog „jetzt KRIEGt euch wieder“ genau das prophezeit, was sich von da an immer weiter entwickelt und bis heute ausgebreitet hat.

In meinem Alltag habe ich seitdem versucht, allseits spürbar wachsende Aggression mit meiner Gutlaunigkeit zu überblenden. Als ich feststellte, dass es mir irgendwann plötzlich weder auf der Bühne gelang noch in keinem anderen Arbeitsverhältnis mehr, habe ich mich zurückgezogen. Und ich bemerke, dass das so ziemlich alle der guten Menschen getan haben.

An einem Samstagmorgen, nachdem die Luftwaffe nachts wieder „zu Übungszwecken“ mit ihren Düsenjets unterwegs war, bin ich aufgewacht, als eine Möwe zu meinem Fenster hereinguckte. Sie nutzte das Gerüst, das derzeit für Renovierungsarbeiten unser Haus einsäumt, als günstigen Laufsteg. Ich musste lachen. Und sicher war es Einbildung, aber ich glaubte, sie lächelte zurück.

Ihren Blick trage ich seitdem in Gedanken. Er beruhigt mich. Auch, wenn ich sie am Morgen lauthals loslachen höre. Oder wenn sie am Abend mir gegenüber mit ihresgleichen nebeneinander aufgereiht auf dem Dachgiebel des Hauses sitzen. Wie Abgeordnete, die für den Fall einer menschlichen Bodenlosigkeit längst geplant und organisiert haben, wie ihre Konsequenz als Verteidigung aussieht. Da wird beschissen, auf ganz natürliche Weise!

Dann wünschen sich die einen oder anderen vielleicht doch wenigstens nur ein paar „Albernheiten“ zurück; ein bisschen von dem Charme des „Schleimer“, der bis vor kurzem immer mit „irgendwie zu viel Enthusiasmus“ dahergekommen ist. Der, mit der scheinbar immerwährenden Fröhlichkeit.

Ab sofort zu finden im Möwenministerium.